Panorama

Bahnfahrerin rettet 56-Jähriger das Leben

14 / 09 / 2018 / 15:16

Karlsruhe (pm/da) Eine 33-jährige Bahnfahrerin hat Mitte August in einer Stadtbahn einer 56-Jährigen das Leben gerettet. Das teilte die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft heute mit. Demnach leistete die 33-Jährige der Frau erste Hilfe, als diese einen medizinischen Notfall erlitt.

Laut der AVG war die 33-jährige Marisa Graf auf dem Weg zur Arbeit, als es an der Haltestelle Werderstraße zu einem medizinischen Notfall kam. Sie stieg aus, um eine andere Bahn zu nehmen, und bemerkte am ersten Wagen der Stadtbahn fünf bis sechs Fahrgästen, die um die 56-Jährige herum standen. Als der Fahrer fragte, ob sich unter den Fahrgästen medizinisches Personal befinde, habe sie den Ernst der Lage realisiert: „Die äußeren Symptome deuteten auf einen Kreislaufstillstand hin. Die Gesichtsfarbe der leblosen Frau war ganz fahl und kalter Schweiß stand ihr auf der Stirn.“ Die gelernte Arzthelferin überprüfte der AVG zufolge die Vitalfunktion der leblosen Frau und begann mit einer Herzdruckmassage, die der Frau das Leben rettete. „Ich habe in dem Moment einfach nur funktioniert und intuitiv das getan, was ich während meiner Ausbildungen gelernt habe“, wird Graf zitiert. ,,Nach der Reanimation war ich emotional fix und fertig und musste erstmal mit meinem Mann telefonieren. Als die Ärzte mir dann später mitgeteilt haben, dass die Frau überlebt hat und auf dem Weg der Besserung ist, war dies wie ein Geschenk für mich. Es war wohl Schicksal, dass wir beide an diesem Tag in der gleichen Bahn saßen und ich der Frau helfen konnte“, sagt Graf, bei der sich kurz darauf die Familie der Geretteten meldet und sich für die Rettungstat bedankt. Alexander Pischon, Geschäftsführer der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft: „Durch ihr entschlossenes und mutiges Handeln hat Frau Graf das Leben eines Fahrgastes gerettet. Mit ihrem Einsatz ist sie ein Vorbild für gelebte Zivilcourage, die in unserer Gesellschaft wichtiger denn je ist. Dies verdient unser aller Dank und Anerkennung.“

70.000 Menschen pro Jahr sterben an Herzstillstand

Laut der Deutschen Herzstiftung sterben jedes Jahr rund 70.000 Menschen in Deutschland an einen plötzlichen Herzstillstand; tausende Betroffene überlebten nicht, weil bis zum Eintreffen der Rettungsdienste kostbare Minuten ohne Erste Hilfe verstrichen. Graf will nach Angaben der AVG mit ihrer Geschichte die Menschen wachrütteln und aufklären: ,,Ich fand es erschreckend, wie viele Menschen um diese leblose Frau in der Bahn herumstanden, ohne irgendetwas zu machen. Dabei braucht man keine Angst haben, dass man in solch einer Situation etwas falsch macht. Falsch ist nur, wenn man nichts macht“, so die 33-Jährige.

Erste Hilfe bei einem plötzlichen Herzstillstand

  • als Leitformel für die Reanimation durch Laien beim plötzlichen Herzstillstand gilt: Prüfen ̶  Rufen  ̶  Drücken
  • Prüfen: Ist die Person bewusstlos und atmet nicht?
  • Rufen: 112 wählen und den Rettungsdienst verständigen
  • Drücken: Mit der Herzdruckmassage beginnen. Hierzu den Betroffenen auf einem harten Untergrund auf den Rücken legen. Dann beide Hände übereinander legen und einen Handballen mittig auf den Brustkorb legen. Nun mit durchgestreckten Armen 100-120 Mal pro Minute das Brustbein circa 5-6 Zentimeter eindrücken. Herzdruckmassage solange einsetzen, bis ärztliche Hilfe eintrifft
  • Tipp: Den Song von den Bee Gees „Stayin‘ alive, ha ha ha ha stayin‘ alive“ mitsummen. Das Lied hat genau den richtigen Takt für die Herzdruckmassage.

 Bild: Schutzengel: Mit einer Herzdruckmassage rettete Marisa Graf einer Frau das Leben, die in einer Stadtbahn einen Herzstillstand erlitten hatte; Foto: AVG

Weitere Artikel