Kultur

Graffiti Lobby Berlin nimmt Stellung zu Pforzheimer Graffiti-Diskussion

21 / 05 / 2020 / 16:20

Pforzheim (pm/ck) In einem offenen Brief nimmt die Graffiti Lobby Berlin – ein “offener Kreis von engagierten Menschen, ein unabhängiges und transparentes Netzwerk. Bei uns arbeiten Künstler, Sozialarbeiter, Unternehmer der Kreativwirtschaft, Stadtentwickler, Galeristen, Lehrer, Politiker und andere Interessierte mit” (Selbstbeschreibung) – Stellung zur aktuellen Debatte um legale Graffiti-Wände in Pforzheim ..

 “Sehr geehrte Damen und Herren,

seit 30 Jahren sind Graffiti/Street Art die führende und größte Kunstbewegung der Metropolen Welt.
In den Ballungsräumen wie Berlin ist Graffiti/Street Art einer der Magneten für Touristen und Künstler.
Überall dort, wo verpasst wurde für legale Ausweichflächen zu sorgen, „ertrinkt“ man in einer Masse
von schlechten, oft illegalen Graffitis, weil keine Freiflächen geschaffen wurden. Um die Qualität und
den Willen zum legalen Sprühen, der vielerorts vorhanden ist, zu heben und auf globales Niveau zu
bringen, tun genehmigte Freiflächen oder „Hall of Fame“ bitter Not. Eine „Hall of Fame“ dient zur
konzeptionellen Wandgestaltung, zum entspannten Malen, Experimentieren und für große
Sprühevents, welche die Szene vereinen und befrieden. Graffiti/Street Art KünstlerInnen wollen
Freiräume in ihrem Lebensumfeld mitgestalten und dieses pflegen. Diesen freien Gestaltungswillen
kann und sollte man kanalisieren und kultivieren, in dem man die Wandflächen für legales Graffiti
freigibt. So kann man einen Ort für Kultur und die Künstler schaffen. Dadurch kann Pforzheim in
hohem Maße profitieren.
Graffiti/Street Art ist ein Gradmesser für die demokratische Gesellschaft. Wenn man den Menschen
freien Raum gibt, dann können Sie diesen kreativen Mikrokosmos auch in Selbstregie organisieren,
denn die KünstlerInnen wollen die Struktur die Ihnen förderlich ist erhalten. Solche Prozesse muss
man nicht unbedingt steuern. Deswegen sollte die Struktur so offen wie möglich organisiert werden.
Die KünstlerInnen sollen einfach zu jeder Zeit vor Ort (Hall of Fame) malen können ohne sich vorher
irgendwo anzumelden oder Vorabskizzen anzufertigen und zur Prüfung vorzulegen. Koordiniert und
kontrolliert wird der Ablauf der Sprühaktionen von den KünstlerInnen selber. Die Qualität der Bilder
wird vorher nicht geprüft. So funktioniert das hier in Berlin. An einer „Hall of Fame“ können die
KünstlerInnen zu jeder Zeit frei malen, es entsteht Kreativität und ein positives Lebensgefühl. Hier soll
ein hohes künstlerisches und technisches Niveau angesetzt werden, um der momentanen Qualität
einen neuen, besseren Standard zu setzen, der Heute aus Ermangelung legaler Flächen nicht möglich
ist. Es geht hier um die KünstlerInnen die soziales Engagement zeigen und diese erwarten
Unterstützung der Stadt Pforzheim. Es geht um die Mitgestaltung des Lebensumfeldes und um den
Dialog zwischen den Generationen.
Berliner Initiative zur Förderung der Graffiti Kultur, gegründet 2012
Seite 1 von 2
Graffiti Lobby Berlin | Feldtmannstr. 152| 13088 Berlin
Unser Anliegen ist es den KünstlerInnen in Pforzheim eine Möglichkeit zu geben ihre Kunst legal zu
produzieren, die Qualität der Kunst zu steigern ohne sich von der Polizei verfolgt zu fühlen. Die
KünstlerInnen wollen kreativ sein und können es zur Zeit leider nur illegal, das wollen wir aufheben
und ändern. Es gibt zwei Zitate die, in gut in diese Diskussion in Pforzheim passen.
1.)„Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit“ (Schiller) 2.) “Ich glaube, Gefahren warten nur auf
jene, die nicht auf das Leben reagieren.” “Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben” (Gorbatschow)
Der CDU-Stadtrat Andreas Sarow hat das Potential erkannt. Graffiti ist die größte Kunstbewegung der
Welt, in Deutschland gibt es Graffiti seit 30 Jahren. Das ist ein uraltes Zeichen- und Schriftsystem, das
man bis in die Antike und in die Steinzeit zurückverfolgen kann. Das moderne Graffitiwriting hat
seinen Ursprung in New York.
Seit 30 Jahren funktioniert die 0-Toleranzpolitik in Deutschland nicht. Die Künstler wollen ihr
Lebensumfeld mitgestalten und sie tun das auch, in Pforzheim anscheinend vor allem mit „TAGS“. Gibt
es in Pforzheim und Umgebung eigentlich legale Graffitiflächen?
Legales Graffiti? Ja! Was ist so schlimm daran das ein mal anzusprechen und somit zur Diskussion zu
stellen? Dialog ist immer ein Austausch von Argumenten, ein Kompromiss. Mit einem Dialog werden
Vorurteile abgebaut und es entsteht ein Verständnis für diese Kunst.
Die Ankündigungen der Initiative ,,Anti-Graffiti-Mobil”, ihre Arbeit einzustellen, sollten die legalen
Graffiti-Flächen kommen, ist aus unserer Sicht ein falsches Signal an die Künstler die diese Kunst legal
ausüben möchten. Legale Graffiti Wände sind doch kein Zeichen für falsch verstandene und
missbrauchte Toleranz. Wie kommt man zu solchen Aussagen?
Legale Wände „Hall of Fame“ dienen vor allem der Qualitätssteigerung. Der „Fame“ also das
Bekanntwerden ist die Hauptantriebskraft, die Motivation hinter Graffiti. Den „Fame“ kann man
erreichen mit Qualität oder Quantität.
Radio Leipzig meldet sich am 18.11.2019: „Legale Graffiti-Flächen sorgen für Rückgang von illegalen
Schmierereien in Leipzig“ und die Wasserburger Polizei betont in einem Artikel am 09.04.19 : “In
anderen Städten gibt es dieses Modell auch schon – mit tatsächlich positiver Resonanz und einem
Rückgang an illegalen Spray-Aktionen. An und für sich würde sich die Polizei gegen diese Idee in
Wasserburg nicht verwehren sondern sie eher begrüßen.” Laut der Meinung des Polizeibeamten gebe
es außerdem “sicherlich Graffiti-Sprayer, die ihr Handwerk beherrschen und deren Werke am Ende
auch schön anzuschauen” seien. Beim Artikel in der pz-news am 11.05.2020, Überschrift: „Legale
Graffiti in der Stadt? Bürgerverein und Malerinnung fordern Richtigstellung“, wurden die Leser gefragt:
Sollte es in Pforzheim legale Flächen für Graffiti geben? 61% der Teilnehmer haben mit „ja“ votiert.
Meine sehr geehrten Damen und Herren, Graffiti ist ein Gradmesser für die freiheitlichen
Zivilgesellschaften. Die Westseite der Berliner Mauer war bunt die Ostseite grau! Wo gab es und gibt
es kein Graffiti? Richtig in totalitären Systemen wie: Die DDR, Sowjetunion, Nordkorea…Entschuldigen
Sie bitte aber Pforzheim will da irgendwie nicht in diese Auflistung reinpassen. Die Graffiti Lobby Berlin
befürwortet legale Graffitiflächen in Pforzheim.
Wir freuen uns darauf Ihre Argumente und Meinungen zu hören. Wir freuen uns auf Ihre
Rückmeldung.
Mit farbigem Gruß
Jurij Paderin”

Das Netzwerk “Graffiti Lobby Berlin” will die Graffiti-Kultur (nicht nur) in Berlin aktiv pflegen und fördern, für die Anerkennung von Graffiti als Kunst und für einen anderen Umgang mit dieser Kunstform werben.

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