Wirtschaft

Jugendfußball: Wie gefährlich ist Leistungssport für Kinder wirklich?

13 / 12 / 2018 / 09:55

Region (cm) Spätestens, seit im Jahr 2014 das Otto-Hahn-Gymnasium (OHG) in Karlsruhe zur Eliteschule des Sports wurde, spielt der Leistungssport für Kinder und Jugendliche in der Region eine tragende Rolle. Ein nicht unumstrittenes Thema, welches immer wieder die Frage aufwirft, inwiefern Kinder zu sportlichen Höchstleistungen angetrieben werden sollten.

Das OHG selbst definiert Leistungssportler als Sportler, welche von Sportverbänden gefördert werden. Unterschieden wird dabei zwischen dem Landes- und dem Bundeskader. Ziel ist eine spätere Leistungssportkarriere, sprich die betreffende Sportart kann hauptberuflich betrieben werden und führt bestenfalls zu internationalen Turnieren wie Olympia. In den Ohren vieler Kinder sowie Jugendlicher und ihrer Eltern klingt das nach einer Traumkarriere. Da die Grundlage dafür bereits im Schulalter gelegt werden muss, ist eine Eliteschule wie das Otto-Hahn-Gymnasium oft die erste Wahl. Seit dem Jahr 2017 fungiert es zudem als Eliteschule des Fußballs. Hier sollen die Schüler die Möglichkeit bekommen, den Sport und die Schulbildung optimal zu verbinden. Dennoch stehen für die Schüler sowie deren Eltern oftmals die sportlichen Leistungen im Vordergrund. Um beim Beispiel Fußball und damit der beliebtesten Sportart in Deutschland zu bleiben, drängt sich angesichts der Thematik die Frage auf, ob ein solcher Leistungssport im Schulalter überhaupt gesund ist.

Viele Jungs träumen von einer Karriere im Profifußball

Die Hintergründe, weshalb ein Kind Leistungssport betreibt, können unterschiedlich sein. In vielen Fällen stecken die Eltern dahinter, welche ihren Sprössling antreiben – sei es, weil er besonders talentiert ist und sie hierin eine Chance für seine Zukunft wittern, oder einfach, weil sie damit ihre eigenen unerfüllten Träume leben möchten. In vielen anderen Fällen sind es aber (auch) die Kinder selbst, welche von einem Leben als Profifußballer träumen. Die Medien machen den Fußballsport allseits präsent. Turniere wie die Europa- oder Weltmeisterschaft werden zunehmend zum Massenevent und die Teilnehmerzahlen immer weiter vergrößert. So wachsen schon kleine Jungen und Mädchen oft selbstverständlich damit auf, dass am Samstag die Bundesliga läuft oder die Familie gemeinschaftlich internationale Spiele ansieht und bejubelt.

Während sich die einen also nach dem Ruhm sehnen, von tobenden Zuschauermassen bejubelt zu werden und eines Tages selbst den Weltmeisterpokal in den Händen zu halten, sind für andere vor allem Reichtum oder die sportliche Herausforderung verlockend. Auch hier können sich also die Gründe, weshalb ein Kind Profifußballer(in) werden möchte, stark unterscheiden. Doch je mehr Kinder von einer Karriere im Fußball träumen, umso größer wird die Konkurrenz. Um sich also tatsächlich durchsetzen zu können, ist neben Talent vor allem eine gezielte Förderung essentiell – und zwar so früh wie möglich.

Der Einfluss von Leistungssport auf die körperliche Entwicklung

Eltern befinden sich dadurch in der Zwickmühle: Einerseits möchten sie ihrem Nachwuchs nicht die Chance auf eine sportliche Karriere verwehren. Andererseits sträuben sie sich dagegen, die Kinder bereits in einem jungen Alter den körperlichen sowie psychischen Strapazen des Leistungssports auszusetzen. Sport im Kindes- und Jugendalter ist für die Entwicklung zwar wichtig und soll auch zukünftig weiter gefördert werden, doch beim Leistungssport handelt es sich um ein Extrem. Für die spätere Karriere nehmen viele Kinder sowie deren Eltern unter Umständen auch gesundheitsschädigende Effekte durch den Sport in Kauf, welche besonders im Wachstum schwere Folgen haben können. Dazu gehören beispielsweise eine Überlastung, eine Fehlernährung, großer psychischer Druck oder das zu frühe Krafttraining. Unter Umständen werden auch (Mikro-) Verletzungen nicht ausreichend auskuriert, sodass daraus Langzeitschäden entstehen, die sogar das vorzeitige Karriereende bedeuten können. Leistungssport kann also eine nachteilige Wirkung auf die körperliche Entwicklung im Kindes- sowie Jugendalter haben – muss er aber nicht. Voraussetzung ist, dass mit dem Körper von Anfang an verantwortungsvoll umgegangen wird. Da Kinder und Jugendliche bis zu einem gewissen Alter dazu nur begrenzt in der Lage sind, vor allem bei einem großen Ehrgeiz, müssen an dieser Stelle die Eltern sowie Trainer und Ärzte auf die Einhaltung der körperlichen Grenzen achten.

Viele Kinder und Jugendlichen leiden unter dem hohen Leistungsdruck

Neben der körperlichen, befinden sich Kinder und Jugendliche aber auch noch in der geistigen Entwicklung. Leistungsfußball kann hierbei sowohl positive als auch negative Einflüsse haben. Letztere entstehen vor allem aus dem hohen Leistungsdruck, unter welchem die Sportler schon in jungen Jahren oft stehen. Eigentlich sollte der Fußballsport ein Hobby und damit ein entspannender Ausgleich zum Alltag sein – zum Leistungsdruck in der Schule beispielsweise. Wer hingegen Leistungssport betreibt, hat auch hier einen hohen Druck und oft keine Zeit mehr für weitere Freizeitbeschäftigungen zur Entspannung. Die Kinder wechseln also zwischen schulischem und sportlichem Leistungsdruck, welchem sie gerade in ihrem jungen Alter noch nicht immer gewachsen sind. Wenn dieser sogar Erwachsene reihenweise krank macht, wieso sollte er dann bei Kindern und Jugendlichen weniger schlimm sein?

Tatsächlich leiden immer mehr Schüler unter einem enormen Leistungsdruck und psychosomatische sowie psychische Erkrankungen nehmen bei unter 18-Jährigen in erschreckendem Ausmaß zu. Stress in der Schule kann somit in Magenbeschwerden, Kopfschmerzen oder sogar einer handfesten Depression enden. Und das gilt bereits für „normale“ Schüler, welche nebenbei keinen Leistungssport betreiben. Fakt ist also, dass der Spagat zwischen Sport und Schule in Kombination mit einem hohen Leistungsdruck eine große Belastung für Kinder und Jugendliche darstellt. 20 Stunden Training pro Woche sind im Leistungsfußball keine Seltenheit und ebenso wenig Tränen im Training. Klingt erschreckend? Ist es aber gar nicht, entwarnen Sportpädagogen.

(Leistungs-) Fußball fördert wichtige Kernkompetenzen

Tatsächlich seien viele Untersuchungen zu dem Ergebnis gekommen, dass sich die Kinder, welche Leistungsfußball betreiben, sogar besser entwickeln als Gleichaltrige. Sie hätten demnach bessere Schulnoten und engere soziale Kontakte. Gerade diese sozialen Kompetenzen sind es, von welchen die Kinder im späteren Leben extrem profitieren können – und zwar auch dann, wenn es mit der Profikarriere am Ende doch nicht klappt. Teamfähigkeit ist schließlich das A und O im Fußball. Weiterhin lernen Leistungssportler bereits in jungen Jahren, mit Leistungsdruck sowie Enttäuschungen umzugehen und entwickeln ein gesünderes Selbstbewusstsein. Der Fußball bringt zudem die Besonderheit mit sich, als „schichtloser“ Sport zu gelten – sprich hier treffen sämtliche Gesellschaftsschichten von privilegiert bis arm zusammen und jeder hat dieselben Aufstiegschancen. Auch das ist für die Kinder eine wichtige Lektion fürs Leben und fördert Werte wie Toleranz.

Wichtig ist, dass die Kinder den Leistungssport selbst wollen

All diese positiven Effekte kann der Leistungsfußball aber nur entfalten, wenn es das Kind selbst will. Das Fazit lautet also: Entscheiden sich die Kinder und Jugendlichen aus freien Stücken für den Leistungssport, sind mit Leidenschaft dabei und genießen eine gute Betreuung durch kompetente Trainer, unterstützende Eltern und erfahrene Fachärzte, überwiegen im Regelfall die positiven Effekte auf deren körperliche sowie geistige Entwicklung. Der Leistungssport, speziell im Fußball sowie im Schulalter, ist also keinesfalls per se gefährlich. Dennoch kann er zur Gefahr für die Gesundheit werden, wenn sich das Kind durch die Eltern oder sein soziales Umfeld stark unter Leistungsdruck gesetzt fühlt. Ist der Gang zum Training für es eher eine Qual als eine Freude und es überwiegen negative Gefühle wie Versagensängste oder Stress, so kann der Leistungssport in Krankheiten wie einer Depression münden – auch bereits im Kindesalter.

Eltern sollten daher keinesfalls als Antreiber fungieren, sondern stattdessen als Vertrauenspersonen, die ihr Kind unterstützen und bestärken. Sie tragen die Verantwortung für die Gesundheit ihres Kindes und sollten es bedingungslos lieben – auch, wenn es sich vielleicht gegen den Leistungssport entscheidet. Es lässt sich somit keine pauschale Aussage treffen, wie gut oder schlecht Leistungsfußball im Kindes- und Jugendalter ist. Stattdessen hängt die Antwort stets vom Einzelfall und zu großen Teilen auch von den beteiligten Erwachsenen wie eben den Eltern, Trainern, Ärzten & Co ab. Ein guter Anfang bei der Entscheidung für oder gegen eine Karriere als Leistungssportler ist es also, das Kind einfach zu fragen, was es denn selbst möchte.

Foto: fotolia.com / LVDESIGN

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