Pforzheim als Kulturhauptstadt: Wirtschaft könnte Kosten übernehmen

05 / 07 / 2018 / 10:57

Pforzheim (pm/da) Pforzheims Bürgermeisterin Sibylle Schüssler hält im Falle einer erfolgreiche Bewerbung der Goldstadt als Europäische Kulturhauptstadt Unterstützung aus der Wirtschaft für möglich. ,,Wie beim ,Jubiläumsfestival 2017 – 250 Jahre Goldstadt Pforzheim’, gibt es auch zur Kulturhauptstadt deutliche Signale aus der Wirtschaft, auch hier maßgeblich mitzuwirken und die angenommenen jährlichen Eigenanteile mehr als deutlich schrumpfen zu lassen”, äußerte sie sich heute vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen. Die Stadtverwaltung rund um Oberbürgermeister Peter Boch hatte am Montag dem Gemeinderat empfohlen, eine Bewerbung Pforzheims als Kulturhauptstadt abzulehnen.

,,Solange in erheblichem Umfang Betreuungsplätze für Kinder fehlen, Schulen und städtische Infrastruktur dringend erhalten werden müssen, kulturelle und soziale Einrichtungen um die Existenz kämpfen und Sportvereine vor enormen Problemen stehen, ist die Europäische Kulturhauptstadt finanziell nicht darstellbar”, sagte Boch. Zwar sei die positive Wirkung einer Bewerbung unstrittig; sie könne aber nicht losgelöst von den Herausforderungen betrachtet werden, vor denen die Goldstadt stehe. Die Stadt rechnet bei einer erfolgreichen Bewerbung mit einem Kostenvolumen von rund 40 Millionen Euro. Davon sollen jeweils zehn Millionen Euro aus den Fördermitteln der Europäischen Union, des Bundes und des Landes kommen; die verbleibenden zehn Millionen Euro sollen die Stadt Pforzheim (vier Millionen) und die Landkreisen drei umliegenden Landkreise (jeweils zwei Millionen) übernehmen.

Schüssler: Eigenanteil beläuft sich auf 570.000 Euro pro Jahr

Den Zahlen von Bürgermeisterin Sibylle Schüssler zufolge verteilt sich der Eigenanteil auf sieben Jahre – die Goldstadt müsse deshalb mit mehr als 570.000 Euro, die Landkreise mit knapp 290.000 Euro pro Jahr rechnen. Bei der Durchführung der Ornamenta II in der ursprünglich angedachten Konzeption und als Teil der Europäischen Kulturhauptstadt reduziere sich der Pforzheimer Anteil auf knapp 300.000 Euro pro Jahr. Sponsorengelder und vorhandene Kulturfördermittel könnten diesen finanziellen Aufwand aus Sicht von Schüssler weiter verringern. ,,Erstmals in Europa ist die Wirtschaft bereit, die komplette Bewerbung zur Europäischen Kulturhauptstadt zu finanzieren. Ein klares Bekenntnis zu Pforzheim und der Region, ein deutliches Zeichen für die erkannte wirtschaftliche Relevanz einer solchen Bewerbung”, so die Dezernentin. Sie hält im Falle einer erfolgreichen Bewerbung Pforzheims als Europäische Kulturhauptstadt für möglich, dass sich die Wirtschaft auch an den späteren Kosten beteiligt.

Boch: Pforzheim kann keine Europäische Kulturhauptstadt werden

Aus Sicht der Stadtverwaltung um OB Peter Boch fehlt der Goldstadt das Geld, um Europäische Kulturhauptstadt zu sein. Boch: ,,Vor diesem Hintergrund macht es aus meiner Sicht keinen Sinn, weitere zeitliche und personelle Ressourcen in eine Bewerbung zur Europäischen Kulturhauptstadt fließen zu lassen, von der wir wissen, dass wir sie nicht durchführen können.“ Stattdessen empfiehlt die Verwaltung, sich auf die Etablierung einer Ornamenta als Festival für Design und Innovation zu konzentrieren. Der Vorsitzende der Gemeinderatsfraktion der FDP und Freien Wählern, Hans-Ulrich Rülke, begrüßte die Entwicklung und kündigte an, seine Fraktion wolle die Diskussion um ein künftiges Projekt Ornamenta konstruktiv begleiten.

 

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