Wirtschaft

Sportwetten werden zum Milliardengeschäft – und zur Gefahr für den Fußball?

15 / 02 / 2019 / 13:12

Region (cm) Die deutsche Bundesliga gehört zu den bekanntesten sowie besten Fußballligen der Welt. Das lockt nun auch immer mehr ausländische Zocker in die heimischen Wettbüros. Die Sportwetten mausern sich nach und nach zu einem Milliardengeschäft, welches allerdings auch Risiken für den Sport mit sich bringt.

Fußball spielt in der deutschen Gesellschaft eine tragende Rolle, was oftmals schon im Kindesalter beginnt. Doch auch über unsere Grenzen hinaus macht die Bundesliga Schlagzeilen und rückt somit vermehrt ins Interesse der Sportwetten. Sage und schreibe 40 Milliarden Euro Umsatz sollen diese im Jahr 2018 alleine in Deutschland eingespielt haben, so die Zahlen der Deutschen Fußball Liga (DFL). Eine enorme Summe, vor allem in Anbetracht folgender Vergleichszahlen: Der deutsche Profifußball selbst macht nur einstellige Millionenumsätze pro Jahr. Zwar mit steigender Tendenz, doch das Volumen der Sportwetten übersteigt diese Einnahmen um ein Zehnfaches. Dementsprechend hoch könnte zukünftig allerdings auch ihr Einfluss auf den Sport werden. Kritiker befürchten, die hohen Summen könnten zu Manipulationen verlocken – schließlich wäre dies nicht das erste Mal in der Geschichte des Fußballs der Fall. Aktuelle Studien legen zudem nahe, dass es eine hohe Dunkelziffer geben könnte. Ein umstrittenes Thema also, welches einmal genauer unter die Lupe genommen werden sollte.

Die Legalität der Sportwetten nach der Grauzone

Lange Zeit schwebten Sportwetten in einer rechtlichen Grauzone. Es herrschte Uneinigkeit darüber, ob es sich um ein Geschicklichkeits- oder Glücksspiel handelte. Fakt ist, dass von ihnen durchaus ein Suchtpotenzial ausgeht und sie somit in Deutschland noch vor wenigen Jahren als illegal galten. Dennoch war es möglich, über ausländische Anbieter im Internet entsprechende Wetten abzuschließen. Rechtliche Konsequenzen waren im Regelfall aber nicht zu befürchten. Mittlerweile hat sich das Blatt gewendet: Mit seinem Urteil vom 8. September 2010 entschied der Europäische Gerichtshof, dass die deutsche Regelung nicht mit dem EU-Recht vereinbar sei. Daraufhin wurden die Sportwetten sowohl online als auch offline legalisiert. Allerdings gibt es zum Stand heute dennoch keine deutschen Lizenzen. Die Anbieter, welche hierzulande zugelassen sind, verfügen also über sichere Genehmigungen anderer EU-Staaten.

Die deutsche Wettsteuer sorgt für Furore

Als wäre diese Gesetzeslage nicht kompliziert genug, wurde am 1. Juli 2012 auch noch die sogenannte Wettsteuer eingeführt. Demnach müssen alle Wettanbieter, die Kunden aus Deutschland bedienen, eine Wettsteuer in Höhe von fünf Prozent abführen. Eine Entscheidung, die zwiespältig betrachtet wird. Schließlich kam mit ihr auch die langersehnte Legalisierung der Sportwetten in der Bundesrepublik. Die Kunden befürchteten derweil steigende Preise – was jedoch nicht in allen Fällen zutrifft. Einige Anbieter von Sportwetten haben sich daraufhin nämlich entschieden, die Mehrkosten aus eigener Tasche abzuführen. Andere Buchmacher schlagen sie hingegen auf die Kosten für den Endkunden auf und ziehen diese sozusagen bei ihm ein. Eine einheitliche Regelung, ob und inwiefern die Wettsteuer an die Kunden weitergeleitet werden muss, besteht derzeit nicht und ist in absehbarer Zukunft auch nicht zu erwarten.

Sportwetten aus wirtschaftlicher Betrachtungsweise

Wer sich also fragt, weshalb die Sportwetten überhaupt legalisiert wurden, erhält damit die Antwort: Sie sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und bedeuten für den Staat enorme Einnahmen. Die Nachfrage nach Sportwetten, größtenteils über Online-Plattformen, steigt in den vergangenen Jahren rasant. Im Jahr 2007 lag der Umsatz des Glücksspielsektors in Deutschland bei rund 30 Milliarden Euro. Im Jahr 2018 kamen hingegen allein die Sportwetten auf einen Wert von 40 Millionen Euro, wie eingangs erwähnt. Tendenz steigend. Diese Umsätze kommen aber längst nicht nur aus dem Inland. Stattdessen sind es mittlerweile vor allem ausländische Wettbegeisterte, welche die Bundesliga für sich entdeckt haben.

Nicht berücksichtigt ist in diesem Wert zudem die Dunkelziffer, sprich jene Wetteinsätze, die bei Anbietern ohne Lizenz getätigt wurden. Sportwetten bringen aus finanzieller Hinsicht also große Vorteile für den Staat sowie den Fußballsport mit sich. Dennoch befürchten der DFL sowie viele Kritiker der Institution „Sportwette“ eine Zunahme der Gefahr von Manipulationen. Je mehr Geld sich durch manipulierte Sportwetten generieren lässt, umso attraktiver werden kriminelle Machenschaften schließlich, so die logische Schlussfolgerung. Die DFL möchte diesem Risiko nun einen Riegel vorschieben.

Eine App soll Manipulationen bei Sportwetten präventiv verhindern

Ganz ausschließen lassen sich Vorkommnisse wie bei den vergangenen Wettskandalen natürlich nicht. Dennoch sollen neue Strategien die Gefahr zumindest minimieren, erklärte die DFL angesichts der steigenden Umsatzzahlen. Nur wenige Monate später wurden entsprechende Konsequenzen gezogen. Die Deutsche Fußball Liga stellte neue Maßnahmen zur Prävention zum Missbrauch von Sportwetten vor. Dazu gehören verpflichtende Schulungen für alle Lizenzmannschaften der Clubs aus der ersten sowie zweiten Bundesliga. Zudem sollen die Spieler mittels E-Learning geschult sowie für das Thema sensibilisiert werden. Letzteres gilt auch für die Öffentlichkeit: Es soll das Bewusstsein um Spielmanipulationen in den Fokus gerückt werden. Weiterhin wurden die Meldewege vereinfacht und zuletzt wartet die DFL noch mit einer ganz innovativen Idee auf: Eine App soll die Manipulation von Spielen in Zukunft präventiv verhindern. Die „DFL Integrity App“ ermöglicht ein einfaches, schnelles sowie anonymes Melden von Verdachtsfällen oder anderen Unregelmäßigkeiten im Rahmen von Sportwetten. Angesprochen werden sollen davon vor allem die jungen Spieler im Bereich der Junioren sowie der Bundesliga.

Das Motto lautet: Bei der Jugend muss angesetzt werden

Es ist also der Nachwuchs, welcher von der DFL anvisiert wird. Sie sollen frühzeitig geschult und auf den richtigen Weg geführt werden. Jene Spieler also, welche die vergangenen Wettskandale vielleicht noch nicht hautnah miterlebt und bislang nur ein geringes Bewusstsein um die Problematik haben. Aus diesem Grund setzt die DFL nun auf digitale Kanäle. Neben der App soll auch ein Hashtag die Junioren mit dem Thema in Berührung bringen. Prävention könne schließlich nicht früh genug beginnen, so DFL-Direktor Andreas Nagel. Auch hohe Gehälter oder eine ausgeprägte Medienpräsenz seien dabei noch lange kein Grund für einige Spieler, von der Wettmafia Abstand zu nehmen. Dennoch handelte es sich dabei in der Vergangenheit glücklicherweise um Ausnahmen und Einzelfälle. Die Präventionsmaßnahmen sollen nun dabei helfen, dass das in Zukunft trotz steigender Umsatzzahlen der Sportwetten so bleibt.

Die Strafen für Wettmanipulationen müssen erhöht werden

Ein wichtiger Bestandteil der Schulungen liegt darin, die Spieler über die Konsequenzen aufzuklären, wenn sie sich auf die Wettmafia einlassen. Wer einmal mit ihr in Kontakt tritt, kann das nicht mehr rückgängig machen. Das gilt unabhängig davon, ob aktiv Einfluss auf das Spielergebnis genommen wurde oder es sich um die passive Weitergabe von Interna handelte, beispielsweise die geplante Spielaufstellung. Betreffende Spieler werden aus den Vereinen verwiesen und dürfen nicht mehr an Spielen ihrer Mannschaft teilnehmen. Auf gut Deutsch: Ihre Karriere ist beendet. Dennoch fordern viele Deutsche noch härtere Strafen für Wettbetrug.

Die App der DFL setzt derweil an anderer Stelle an: Sie soll der Prävention dienen und dafür sorgen, dass mehr Spieler ihrer Meldepflicht nachkommen. Sie sind nämlich verpflichtet, sämtliche Unregelmäßigkeiten, Hinweise auf Manipulationen oder andere Vermutungen unmittelbar zu melden. Befürchtet wird schließlich, dass viele Spieler schweigen – aus Angst vor möglichen Konsequenzen für die betreffende Person oder die Mannschaft im Gesamten. Ein Imageschaden, der Verlust des besten Spielers oder Drohungen durch die Wettmafia sind dafür typische Beispiele. Anonymität wird deshalb bei der „DFL Integrity App“ großgeschrieben. Ob sie die Erwartungen erfüllen kann, wird sich mit der Zeit zeigen – und im Rahmen der voraussichtlich weiter steigenden Umsätze der Sportwettenbranche.

Sportwetten: Eine Branche im Wachstum

Deren Wachstum dürfte nämlich noch längst nicht beendet sein. Experten vermuten, dass zukünftig nicht nur die Zahl der ausländischen und inländischen Spieler sowie derer Investitionen weiter steigen wird. Stattdessen entwickeln sich auch die Wettmöglichkeiten selbst weiter. Schon jetzt gibt es eine große Auswahl von Ergebniswetten über 2- und 3-Weg-Wetten oder Wetten auf Torschützen bis hin zu Halbzeit- und Endstandwetten sowie Über/Unter-Wetten. Auch an dieser Front bleibt es also spannend, wie die Entwicklung in Zukunft fortschreitet und welche Umsatzzahlen die DFL das nächste Mal verlautbaren lässt.

Weitere Artikel

Niederlage im Wildpark: HSV schlägt KSC

KSC
25 / 08 / 2019 / 15:26

Karlsruhe (bs) Es hätte die Rache für das Relegations-Drama von 2015 werden können. Oder zumindest die Genugtuung dem HSV die Tabellenspitze vor der Nase wegzuschnappen. Doch leider unterlag der Karlsruher SC heute im Spiel gegen die Hamburger mit 2:4. In (…)

LIONS vervollständigen Kader

Sport
16 / 08 / 2019 / 13:05

Karlsruhe (pm/da) Zum Start der Saisonvorbereitungen für die 2. Basketball Bundesliga ProA haben die PSK Lions den Kroaten Emil Savic aus Valencia BC in den Kader geholt. Dort lief er nach Angaben des Vereins zuletzt in der zweiten Mannschaft auf. (…)

Mikroplastik auf dem Sportplatz

Sport
15 / 08 / 2019 / 18:30

Karlsruhe (lp) Kunststoffgranulat auf Kunstrasenplätzen will die EU in Zukunft verbieten. Nach einer Studie des Fraunhofer Instituts will man die Nutzung von Kunststoffgranulat auf Kunstrasenplätzen verbieten. Grund ist das enthaltene Mikroplastik. Diese mögliche Gesetzesänderung bringt ein finanzielles Risiko für Vereine (…)