Der Aufschwung setzt sich fort

Bruchsal hat in Sachen Mobilität einiges zu bieten. Auf den Spuren von Bertha Benz geht es in Richtung Zukunft und autonomes Fahren. Interview mit Cornelia Petzold-Schick, Oberbürgermeisterin Bruchsal.

 

Wie groß war die Freude über den Zuschlag des Testfeldes für autonomes Fahren? 

Die Freude war riesig, weil damit der Grundstein dafür gelegt wurde, dass in der Region Arbeitsplätze gesichert und neue geschaffen werden können. Man muss sich das mal vorstellen: Die Region Nordbaden, zwischen Karlsruhe, Heilbronn und Bruchsal setzt sich mit ihrem Antrag gegen die großen schwäbischen Automobilmetropolen durch. Das ist schon einzigartig. An dieser Stelle zolle ich ausdrücklich dem Verkehrsministerium Respekt, dass es sich ausschließlich durch fachliche Auswahlkriterien hat leiten lassen. Mein Dank gilt außerdem der Stadt Karlsruhe und dem Forschungszentrum Informatik, die hier hervorragende Arbeit geleistet haben und die Bruchsal als Juniorpartner die Möglichkeit bieten unsere Stärken einzubringen.

Jetzt ist Bruchsal aber nicht nur Teil eines großen Ganzen, sondern hat auch eigene Projekte ins Leben gerufen. Highlight ist mit Sicherheit der sogenannte efeuCampus. Was steckt dahinter?

Wir wollen auf dem Areal der ehemaligen Dragonerkaserne ein Innovationszentrum für „umweltfreundliche experimentelle urbane Güterlogistik“ einrichten. Die Regionale Wirtschaftsförderung Bruchsal
(WFG) und die Stadt Bruchsal haben verschiedene Industrie-, Forschungs- und Dienstleistungsinstitutionen hinter einem Projekt vereint. Auch bei diesem Zukunftsprojekt hat es sich ausgezahlt, dass wir eng mit Karlsruhe und der Technologieregion kooperieren. Für die Umsetzung dürfen wir nun auf Fördermittel aus Brüssel und Stuttgart hoffen.

An welchen Szenarien der Zukunft wird im efeuCampus künftig geforscht, was wird getestet?

Ziel dieses Projektes ist es, bei der Ver- und Entsorgung von Haushalten völlig neue Wege zu gehen. Wichtige Schlagworte sind: weniger Verkehr im Stadtquartier und mehr Flexibilität für die Bürger. Konkret ist ein Warenverteilpunkt am Eingang des Campus geplant. Dorthin liefern Paketdienste und andere die Güter des täglichen Bedarfs. Von dort aus geht es mit autonom betriebenen Robotern an die einzelnen Häuser. Diese neuartigen Fahrzeuge fahren geräuscharm und klimaneutral und könnten somit in Zukunft einen wesentlichen Beitrag zur Steigerung der Lebensqualität leisten.

Im Bereich E-Mobilität, auch hier ist die Region Bruchsal mit zeozweifrei unterwegs ganz vorne mit dabei. Warum wurde dieses Projekt ins Leben gerufen?

Zeozweifrei unterwegs ist das größte E-Carsharingsystem in Baden-Württemberg außerhalb von Stuttgart. Rund 40 Elektroautos stehen an ebenso vielen Stationen in Bruchsal und den 12 umliegenden Städten und Gemeinden für Bürger und Unternehmen zur Verfügung. Die Region und insbesondere auch wir in Bruchsal machen uns Gedanken, wie wir die Mobilität der Zukunft sinnvoll gestalten können. Moderne Elektrofahrzeuge leisten einen wichtigen Beitrag, die Lärm und insbesondere die Abgasemissionen deutlich zu reduzieren. Carsharing ist dem Gedanken verpflichtet, dass ein Auto vielen Nutzern zur Verfügung
steht und dabei eine verantwortungsvolle Mobilität gefördert wird. Beide Ansätze haben wir im E-Carsharingprojekt integriert. Die Regionale Wirtschaftsförderung Bruchsal hat die Projektkoordination übernommen. Als deren Aufsichtsratsvorsitzende war es meine Idee, die Energie- und Wasserversorgung Bruchsal (ewb) für den dringend benötigten Ausbau der Ladeinfrastruktur einzubinden. Die Zukunft
der Mobilität ist elektrisch. Wir sind in der Region Bruchsal ganz vorne dabei. Darauf können wir wirklich stolz sein.

Cornelia Petzold-Schick , Oberbürgermeisterin der Stadt Bruchsal (Foto: Dominik Schmid)

Bruchsal ist in Bewegung und das nicht nur in Sachen E-Mobilität und autonomes Fahren – Bruchsal wächst sozusagen über sich hinaus. Steigende Einwohnerzahlen und zahlreiche neue Arbeitsplätze sprechen für sich. Worauf ist das zurückzuführen?

Ganz wichtig ist Bruchsals geografisch günstige Lage zwischen den Metropolen Karlsruhe, Mannheim und Stuttgart. Wir sind das Zentrum einer Wachstumsregion und werden auch in Zukunft weiter wachsen, weil die Unternehmen investieren und weitere Arbeitsplätze entstehen. Bruchsal wächst aber auch, weil wir in den vergangenen Jahren vieles richtig gemacht haben: Wir sind eine attraktive Schulstadt und in Bruchsal gibt es ein bedarfsgerechtes Betreuungsangebot, das eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglicht. Bruchsal ist auch aufgrund seines hervorragenden kulturellen Angebots
für alle Altersgruppen interessant. Und nicht zuletzt finden die Menschen in Bruchsal, was es im Umland immer weniger gibt – eine sehr gute medizinische Versorgung und natürlich auch die gesamte Infrastruktur, die man sich im Alter wünscht, um möglichst lange selbständig bleiben zu können.

Welche Rolle spielt bei diesem Wachstum die TechnologieRegion und deren neue bzw. professionellere Ausrichtung?

Die TRK ist unser Gesicht in Europa – eine Plattform die dafür sorgt, dass Bruchsal und insbesondere auch unsere Unternehmen im europäischen Kontext wahrgenommen werden. Eine weitere Professionalisierung begrüße ich ausdrücklich, weil wir uns natürlich auch gegenüber anderen Regionen behaupten müssen und weil ich einen gewissen Nachholbedarf gegenüber unseren kommunalen und  regionalen Bemühungen erkenne. Wir haben die Regionale Wirtschaftsförderung Bruchsal vor einigen Jahren personell und konzeptionell neu aufgestellt und spüren bereits die Erfolge. Wir haben mit der Schaffung der Stelle einer Kommunalen Wirtschaftsfördererin auch die Voraussetzungen geschaffen, dass unsere Unternehmen einen zentralen Ansprechpartner haben, der sich ausschließlich um ihre Belange kümmert. Nun zurück zur TRK und zur Neuausrichtung: Besonders freut es mich, dass auch meine Vorschläge als Vorstand der TRK in diesem Prozess Berücksichtigung gefunden haben. Mit der
Neuausrichtung schließen wir nun einen Prozess ab, mit dem wir für die TechnologieRegion und damit auch für Bruchsal die Voraussetzungen für ein weiteres qualitatives und quantitatives Wachstum schaffen. Meine Botschaft ist deshalb: Der Aufschwung setzt sich fort.

STADT BRUCHSAL www.bruchsal.de

NETWORKING ROUND THE WORLD

Spannung ergibt sich aus dem Gegensätzlichen. In Baden-Baden heißt das: Aus Tradition und Innovation. Für die internationale Kultur- und Bäderstadt ein Grund mehr, sich den Herausforderungen der Digitalisierung nicht nur zu stellen, sondern darin auch eine Zukunftschance zu suchen. Interview mit Margret Mergen, Oberbürgermeisterin Baden-Baden.

 

IT, Digitalisierung und digitale Netzwerke sind heute in aller Munde. Ist Baden-Baden für die Herausforderungen der neuen digitalen Welt gut aufgestellt?

Als eine der renommiertesten Kultur- und Bäderstädte Europas war Baden-Baden schon immer eine Drehscheibe für den Informations- und Kulturaustausch. Waren es früher Salons, Parks und Alleen, in denen Politik und Wirtschaft ihre Informationen austauschten, sind es heute digitale Netzwerke und Kommunikationstechnologien, über welche die neuesten Informationen zu ihren Adressaten und Anwendern finden. Dabei die dramatischen Veränderungen, welche die Digitalisierung mit sich bringt, nicht als Gefahr, sondern als Herausforderung und Chance zu begreifen, ist der Weg, den Baden-Baden mit wachem Blick
auf diese Veränderungen gehen will. Als moderner Dienstleistungs- und Wirtschaftsstandort sehen wir uns durch das ständige Fortschreiten der Digitalisierung besonders gefordert. Die Bereitstellung der erforderlichen Infrastruktur und die Sensibilisierung unserer Unternehmen für die Chancen und Risiken der Digitalisierung gehören heute mit zu den Kernaufgaben der Wirtschaftsförderung und einer verantwortungsvollen Stadtentwicklung. Bereits Ende der 1990er Jahre begann Baden-Baden mit neun weiteren regionalen Städten bzw. Versorgungsbetrieben eine strategische Partnerschaft. Die
damals gegründete TelemaxX GmbH fokussiert sich hauptsächlich auf innovative und kommunikationsorientierte Firmen, die auf zukunftsweisende Verbindungen für Telefon-, Internet-, Video- und Datenanwendungen angewiesen sind. Gerade große Dienstleistungsfirmen wie Arvato Infoscore, Grenke Leasing, L'Tur oder Media Control, aber auch moderne Produktionsbetriebe, sind auf gut funktionierende, leistungsfähige und sichere Übertragungsnetzwerke angewiesen.

Margret Mergen , Oberbürgermeisterin der Stadt Baden-Baden (Foto: Stadt Baden-Baden)

Wo sieht sich die Stadt in dieser Entwicklung bzw. wie treibt die Stadt diesen Prozess aktiv voran?

Immer mehr sehen sich kommunalpolitische Entscheidungsträger in der Verantwortung, den Prozess der Digitalisierung aktiv mitzugestalten. Besonders in den großen Städten werden in den Verwaltungen erhebliche finanzielle und personelle Ressourcen bereitgestellt, um die Wirtschaft für die Anforderungen der Digitalisierung zu sensibilisieren. Aber auch kleinere Städte, wie Baden-Baden, müssen sich trotz begrenzter Ressourcen dieser Herausforderung stellen. Dabei sind es weniger die großen Unternehmen, die um die Chancen und Risiken der Digitalisierung noch zu wenig wissen. Es sind vielmehr die kleinen und mittleren Betriebe, denen oftmals der Zugang zu diesem Thema fehlt, weil kompetente Ansprechpartner nicht vorhanden sind oder ihnen im Alltagsgeschäft schlicht weg die Zeit für zusätzliche
Aufgabenstellungen fehlt.


Durch unsere Allianz mit dem CyberForum e.V. wollen wir diese Angebotslücke schließen. Das CyberForum Süd versteht sich als eine Angebotserweiterung für Unternehmen in der südlichen TechnologieRegion. Es richtet sich an Unternehmen aus der IT- und Hightech-Branche, der Medien- und Kreativwirtschaft, dem produzierenden Gewerbe und dem Finanzdienstleistungssektor. Zusammen mit dem Digitalen Innovationszentrum wird es die Digitalwirtschaft im Stadtkreis Baden-Baden und in der Region unterstützen und dabei helfen, sich weiter zu entwickeln.

Wo sieht sich die Stadt selbst durch den digitalen Wandel gefordert?

Die Digitalisierung betrifft die Kommunen in nahezu allen Bereichen: soziales Zusammenleben, Mobilität, Energieversorgungssysteme, Einzelhandel, Bauleitplanung oder medizinische Versorgung. Die „smarte“ Stadt ist für die moderne Stadtentwicklung Thema und Herausforderung zugleich. Die Fragen wie wir künftig mit unseren Bürgern kommunizieren, wie wir den wachsenden Verkehr in unseren Innenstädten organisieren und wie wir den Energiebedarf unserer Städte möglichst klimaneutral decken, müssen vor dem Hintergrund der Potentiale und Chancen der Digitalisierung beantwortet werden. Als Beispiele: innerhalb ganz kurzer Zeit haben wir hier in Baden-Baden alle publikumsintensiven öffentlichen Plätze mit kostenlosem WLAN unter BADEN-WLAN ausgestattet. Inzwischen wird dieses System innerhalb der Region ebenfalls unter Baden-WLAN angeboten. Oder: die TechnologieRegion konnte aus dem Landeswettbewerb RegioWIN als einer der Gewinner hervorgehen. Mit unserem Leuchtturmprojekt RegioMOVE
wird die gesamte TechnologieRegion zur „Modellregion für multimodale Personenmobilität. Baden-Baden wird sich aktiv als Partner an diesem Prozess beteiligen und somit innovative Impulse für das Mobilitätsverhalten unserer Bürger setzen.

STADT BADEN BADEN www.baden-baden.de