Kaltenbronn
Hohlohmoor Kaltenbronn von Austrocknung bedroht? Regierungspräsidium startet Großprojekt um Wasserstände wieder zu erhöhen
Nasskalt, grün und behaftet mit frischem Torfgeruch liegt das Hohlohmoor hier im Gebiet Kaltenbronn. Diesen Herbst deutet nur wenig darauf hin, dass es akut von Trockenheit bedroht ist. Genau das sei laut der Naturschutzbehörde des Regierungspräsidiums aber der Fall. Und nicht nur die voranschreitende Klimaerwärmung trage zum Austrocknen des Moores bei. Entwässerungsgräben, die im 18. und 19. Jahrhundert angelegt wurden, bedrohen das Moor im Zusammenspiel mit dem Klimawandel. Deshalb plant das Regierungspräsidium nun, die Erdkanäle mit Holzbohlen zu versehen, um das Wasser zu stauen und den Pegel im Moor wieder zu erhöhen. Hier ist das schon passiert. Bis 2028 sollen die Gräben auf 68 Hektar blockiert werden. Dieses Jahr soll aber erst erprobt werden, ob die Maßnahmen auch das gewünschte Ergebnis bringen.
Elf Gräben wurden bereits mit Holz verschlossen. Da diese sich nach und nach mit Moorwasser füllen, müssen sie auch nicht ausgetauscht werden, da Holz in diesem sauerstoffarmen Wasser nicht verrottet. Allerdings müsse die Maßnahme flexibel ausgeführt werden. Zunächst sind fast alle der 200 Jahre alten Gräben unterschiedlich tief und breit. Außerdem verlaufen die Kanäle hangabwärts. Und da abwärts fließendes Wasser schwerer zu bändigen ist, benötige es mehr Holzbohlen in kürzeren Abständen. Dafür sind nicht nur Fahrzeuge mit sehr breiten Fahrwerken nötig, die durch gleichmäßige Belastung nicht im Moor versinken, sondern Holz und Wurzelwerk müsse sorgfältig, meistens händisch, getrimmt werden. Das alles unter genauen Umweltauflagen.
Diese Umweltmaßnahmen seien generell wichtig für Moore. Immerhin sei auch das Hohlohmoor Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten – nur wenige würden eine Austrocknung überleben. Weiterhin beinhalte das Hochmoor eine über Jahrtausende gewachsene Schicht aus Torf, die auch CO2 bindet. Versiegelt in Wassermassen, zersetzt sich dieser Torf nicht. Sollte das Moor austrocknen, verrottet er allerdings und das CO2 wird frei. Ein weiterer Grund, die Wasserstände zu erhöhen. Das werde sich aber auch im umliegenden Gebiet auswirken.
Touristisch werde die Revitalisierung des Moors nichts ändern. Die großflächige Aufstellung der Holzbohlen ab 2026 soll die Wanderwege so wenig wie möglich belasten. Die 7 Millionen Euro, die das Projekt im Gesamten kostet, seien dabei sinnvoll investiert, denn die Erhaltung des Moores sei wichtige Maßnahme für den Umweltschutz, so Raddatz. Schließlich könne um der Umwelt Willen jedem nur daran gelegen sein, dass nasskalte, grüne und torfige Moore auch in Zukunft der Trockenheit widerstehen.