Karlsruhe
Nach Pyro-Skandal von KSC-Ultras: Darum wurden drei Sozialarbeiter zu Geldstrafen verurteilt
Karlsruhe (rl) Es ist schon lange dunkel, als die drei Verurteilten und die verbliebenen Zuhörer das Amtsgericht verlassen. Die meisten von Ihnen bedient, denn laut Gericht haben sich die drei einer möglichen Strafvereitelung strafbar gemacht. Jetzt wurden sie vom Amtsgericht verurteilt. Und zwar zu Summen zwischen 4050 und 6300 Euro. Deutlich mehr hatte die Staatsanwaltschaft gefordert. 160 Sätze a 60 bzw. 80 Euro. Es hätten sich nach Gerichtsauffassung aber nicht alle Vorwürfe bestätigt.
Das Urteil hatte wie der gesamte Prozess viel Aufmerksamkeit erregt. Einrichtungen aus den Bereichen der sozialen Arbeit reagieren mit Entsetzen auf das Urteil.
Das gestrige Urteil reduziert zwar die Höhe der Tagessätze, bestätigt aber den Tatvorwurf und stellt eine Zäsur für die Arbeit der sozialpädagogischen Fanprojekte sowie der gesamten Sozialen Arbeit dar. Wenn aus Sozialer Arbeit Straftaten konstruiert und diese verurteilt werden, dann wird der Sozialen Arbeit nachhaltig Schaden zugefügt!
– Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte
So die Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte in einer Reaktion auf das Urteil. Ähnlich äußert sich die Gewerkschaft verdi.
Dass sie mit mehreren Tausend Euro privat zur Kasse gebeten werden sollen, weil sie ihren Job mit hundertprozentigem Engagement ausüben, darf so nicht stehen bleiben. Es gehört zu ihrem Job, ein Vertrauensverhältnis zu den Fans aufzubauen. Letztlich hat die Staatsanwaltschaft mit ihrem robusten Vorgehen den erfolgreichen Dialog zwischen Ultras und verletzten Fans ignoriert. (…) Es bleibt dabei: wir brauchen ein Zeugnisverweigerungsrecht für die sozialen Berufe.
– Hanna Binder, stellvertretende Bezirksleiterin ver.di
Durch die 90 Tagessätze sind die Verurteilten nicht vorbestraft, sollte das Urteil rechtskräftig werden. Rechtsmittel dagegen wurden aber bereits angekündigt.