Karlsruhe
Volt-Kandidat aus Karlsruhe rassistisch beleidigt? Abschiebetickets der AfD erneut kritisiert
Karlsruhe (ln) Kiên Nguyen von Volt Karlsruhe geht nach eigener Aussage sehr transparent mit seiner Herkunft um. Der Karlsruher Stadtrat und Bundestagskandidat sei als Kind – nach damaligen Vorgaben illegal – nach Deutschland gekommen, hiergeblieben und habe seit 12 Jahren die deutsche Staatsbürgerschaft. Eine Kehrseite zeigte diese Offenheit bei einer Wahlkampfaktion am Europaplatz vergangene Woche. Dort habe Nguyen einen Mann und eine Frau auf einen Witz über Behinderte angesprochen, der gegen die Volt gerichtet war. Im aufflammenden Streitgespräch habe sich die Frau sich zu AfD bekannt und Nguyen gab Teile seiner Familiengeschichte preis. Daraufhin habe die Frau Menschen mit Migrationshintergrund noch schärfer beschimpft und Nguyen eines der mittlerweile bekannten Abschiebetickets der AfD-Karlsruhe in die Hand gedrückt.
Dass die AfD-Abschiebeflyer sich explizit gegen den Stadtrat und Kandidaten einer konkurrierenden Partei richten, bietet ein gewisses Eskalationspotenzial. Auf der anderen Seite ist Nguyen überzeugt, die Frau von der AfD hätte ihm das Abschiebeticket nicht in die Hand gedrückt, wenn sie um seinen Status Bescheid wüsste. Seiner Ansicht nach liegt das Problem deutlich tiefer. Die Migrationsdebatte der AfD habe zur Verrohung der Umgangsformen beigetragen – gerade gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund. Besonders, da andere Parteien die Forderungen der AfD übernommen haben, wurden viele rassistische Äußerungen salonfähig, so Nguyen.
Entsprechend richtet sich Nguyens grundlegendste Kritik an die Flyer der AfD selbst. Entgegen den Aussagen des verantwortlichen Bundestagsabgeordneten Marc Bernhard, glaubt Nguyen nicht, dass sie nur zufällig in die Briefkästen geworfen wurden. Laut Nguyen gehe es in erster Linie um Einschüchterung von Menschen mit Migrationshintergrund. Unabhängig davon wie gut sie integriert sind und wie es um ihr Aufenthaltsrecht steht. Bernhard wiederum distanziert sich von der Aktion der Frau am Europaplatz. Einen Deutschen mit Migrationshintergrund aufzufordern, das Land zu verlassen sei nicht der Zweck der Flyeraktion. Andererseits bezeichnet er Nguyens Ausführung als sinnbefreit und ohne Bezug zu seiner Partei.
„Herrn Nguyens Mutmaßungen und Anschuldigungen über mir völlig unbekannte Personen wirken wie substanzlose Effekthascherei eines bisher unbekannten Kandidaten, der im aktuellen Wahlkampf ein Schattendasein führt. Die im Flugblatt enthalte Forderung nach Ausreise bezieht sich auf Personen, die sich illegal in Deutschland befinden, was beim Bundestagskandidaten Kien Nguyen ja offensichtlich nicht der Fall ist, sonst wäre er kaum zur Wahl zugelassen worden. Im Übrigen zitiert das Flugblatt bekannte Aussagen des amtierenden Bundeskanzlers.“
- Marc Bernhard (AfD), Bundestagsabgeordneter Karlsruhe
Der Rest von Volt Karlsruhe wiederum solidarisiert sich mit Nguyen. Seiner Aussage nach werde die europäische Partei in Karlsruhe jetzt erst recht an ihren Forderungen festhalten und einen noch deutlicheren Gegenpol zur AfD bilden. Deshalb soll dieser Vorfall auch in den Karlsruher Gemeinderat gebracht werden, wo sich Kiên Nguyen ebenso offen dazu äußern will, wie zu seiner Familiengeschichte.